Listenhunde – Vorschriften und aktueller Stand

Kampfhund - Vorschriften

Welche Vorschriften gelten in Deutschland?

Seit Ende der 1990er-Jahre ist die Haltung sogenannter Listenhunde ein heißes Thema. Im Jahr 2000 wurde erstmals eine Liste von Hunderassen eingeführt, die als gefährlich gelten. Aus dieser ersten Liste sind im Laufe der Zeit zwei verschiedene Listen hervorgegangen. Auf einer stehen Rassen, die als höchstwahrscheinlich gefährlich gelten, die zweite Liste hingegen umfasst Hunderassen, die einen Hang zu aggressivem Verhalten an den Tag legen. Als „höchstwahrscheinlich gefährlich“ werden Rassen wie Pitbull und Staffordshire Terrier eingestuft. Viel umfangreicher ist die zweite Liste, da zahlreiche große Hunde allein wegen ihrer Größe als gefährlich erachtet werden. Doch was bedeutet dies alles für den Hundehalter? Hinzu kommt, dass sich die Regelungen je nach Bundesland unterscheiden: So ist beispielsweise in Bayern eine Erlaubnis für das Halten eines Kampfhundes erforderlich, das Land Thüringen hingegen verzichtet sogar gänzlich auf eine Liste mit verbotenen Hunderassen. Andererseits gelten in Thüringen alle Hunde, die auf Kampfbereitschaft abgerichtet sind, als gefährlich – egal, welcher Rasse sie angehören. Allgemein wird von Listenhundehaltern erwartet, dass sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören ein polizeiliches Führungszeugnis oder eine Sachkundeprüfung (der sogenannte „Hundeführerschein“). Außerdem muss eine Hundehaftpflichtversicherung vorliegen. Wie man sieht, ist es nicht einfach, einen Listenhund zu halten. Die als „höchstwahrscheinlich gefährlich“ geltenden Rassen dürfen weder gezüchtet noch nach Deutschland eingeführt werden. Das Einfuhrverbot gilt übrigens auch für Welpen. Sonderregelungen gibt es für Hundehalter, die nach Deutschland umziehen und ihren Hund im Rahmen des Umzugs mitbringen möchten.

Kampfhund oder Listenhund? Was sich hinter diesen Begriffen verbirgt

Obwohl der Begriff „Kampfhund“ heute nicht mehr so gebräuchlich ist, war er noch zu Beginn des neuen Jahrtausends in aller Munde. Als Kampfhunde werden bestimmte Rassen von Hunden bezeichnet, die für ihre Angriffslust und ihre Stärke berüchtigt sind. Dazu gehören in der Regel die Rassen Bullterrier, Staffordshire Bullterrier, American Staffordshire Terrier und American Pit Bull Terrier. Der Begriff „Kampfhund“ wird nur noch in den Ländern Baden-Württemberg und Bayern verwendet, andernorts spricht man allgemein von Listenhunden. Tatsache ist, dass jeder Hund in bestimmten Situationen aggressiv reagieren kann – vom gutmütigen Labrador bis zum quirligen Spitz. Im Hinblick auf Kampfhunde spielen vor allem die körperlichen Eigenschaften des Hundes sowie die Erziehung eine wichtige Rolle. Wurde ein Pitbull Terrier nicht sachgemäß erzogen und sozialisiert, kann der Hund durch aggressives Verhalten viel mehr Schaden anrichten als ein genauso schlecht erzogener Chihuahua. Deshalb gehören neben Rassen wie Mastiff, Tosa Inu, Fila Brasileiro oder Bordeaux-Dogge in einigen Ländern auch der Deutsche Schäferhund, der Malinois oder der Rhodesian Ridgeback zu den Listenhunden. Diese Rassen sind nicht grundsätzlich verboten, ihre Haltung jedoch ist mit zahlreichen Auflagen verbunden.

Welche Bestimmungen müssen bei der Haltung von Listenhunden berücksichtigt werden?

Grundsätzlich gilt, dass der Halter eines Listenhundes volljährig sein und über ein polizeiliches Führungszeugnis verfügen muss, in dem keine Anmerkungen zu aggressivem Verhalten vorliegen. Für alle Kampfhunde gilt in der Öffentlichkeit die Leinen- und Maulkorbpflicht. Legt der Hund eine Verhaltensprüfung ab, kann die Leinen- und Maulkorbpflicht aufgehoben werden. Da der Hundehalter von Gesetzes wegen für seinen Hund und dessen Verhalten verantwortlich ist, muss er eine Hundehaftpflichtversicherung abschließen für den Fall, dass durch den Hund Schäden entstehen. Dabei kann es sich um Körperverletzungen oder um Sachbeschädigungen handeln. Hier stellt sich auch schon die erste Hürde, denn nicht alle Versicherungsunternehmen bieten ihre Leistungen für Listenhunde an. Das Problem liegt darin, dass der Halter der Versicherung verpflichtet ist, anzugeben, dass es sich bei seinem Hund um einen Listenhund handelt. Tut er dies nicht, wird der Versicherungsvertrag für nichtig erklärt. Einige Unternehmen verlangen einen erhöhten Tarif für Kampfhunde.

Listenhund halten: Ist das überhaupt möglich?

Obwohl sie als gefährlich gelten, üben die als Kampfhunde eingestuften Rassen eine besondere Faszination auf Hundefans aus. Rassen wie Dobermann, Rottweiler oder Staffordshire Terrier sind intelligent und lernbegierig. Bei einer richtigen Sozialisation sind Hunde dieser Rassen ausgezeichnete tierische Begleiter und gehen mit ihrem Herrchen oder Frauchen eine tiefe Bindung ein. Trotz der vielen Regelungen bedeutet dies noch längst nicht, dass man auf das Halten eines Listenhundes verzichten sollte. Viele Hundehalter ziehen ihres Hundes wegen nach Niedersachsen oder Thüringen, da beide Länder keine Rassenliste führen. Aber auch in Ländern mit einer Rassenliste kann man seinen Wunsch nach einem Listenhund wahr werden lassen. Wichtig ist, sich an die Gesetze zu halten und den Hund rechtzeitig und vor allem richtig zu sozialisieren. Eine perfekte Verhaltensprüfung beweist, dass der Hund nicht aggressiv ist und keine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt. Wie jeder andere Hund müssen auch Kampfhunde mit einem Chip versehen werden, außerdem ist eine Hundesteuer fällig. Letztere fällt für Kampfhunde sehr hoch aus: Hundehalter müssen mit 600 bis 900 Euro pro Hund pro Jahr rechnen. Ein weiterer, überaus wichtiger Punkt ist die Versicherung. Wie bereits erwähnt, bieten nicht alle Unternehmen eine Versicherung für Kampfhunde an.

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